Drehen ≠ Spiegeln

Die beiden werden ständig in einen Topf geworfen, tun aber Gegensätzliches:

  • Drehen (rotieren): das Bild um seinen Mittelpunkt kippen — 90° nach rechts, 180° auf den Kopf. Der Inhalt bleibt richtig herum, nur die Orientierung ändert sich. Text bleibt lesbar.
  • Spiegeln (flippen): ein seitenverkehrtes Abbild erzeugen, als hielte man das Bild vor einen Spiegel. Links wird rechts. Text steht danach spiegelverkehrt.

Merksatz: Drehen erhält, Spiegeln verkehrt. Wer ein quergestelltes Foto aufrichten will, dreht. Wer ein Motiv seitenverkehrt haben will, spiegelt.

Das Selfie-Rätsel

Der häufigste Anlass für Verwirrung: das spiegelverkehrte Selfie. Viele Frontkameras zeigen das Vorschaubild gespiegelt (weil man sich so aus dem Spiegel kennt) und speichern es teils auch so. Fällt erst auf, wenn im Hintergrund ein Schriftzug steht — der ist dann seitenverkehrt. Du kannst das Foto zurückspiegeln, damit die Schrift wieder stimmt; dann wirkt allerdings dein eigenes Gesicht für dich „falsch herum", weil du dich nur gespiegelt kennst. Für andere Betrachter ist die zurückgespiegelte Version die korrekte.

Wann Spiegeln erlaubt ist — und wann nicht

MotivSpiegeln?
Landschaft, Natur, symmetrisches Motiv✅ unproblematisch
Porträt ohne Text im Bild⚠️ meist ok, kann leicht irritieren
Text, Logo, Schild, Zahlen❌ nein — wird seitenverkehrt
Uhr, Kennzeichen, Buchseite❌ nein — wird falsch

Die eiserne Regel: Alles mit lesbarem oder eindeutig ausgerichtetem Inhalt niemals spiegeln. Ein gespiegeltes Firmenlogo ist ein verräterischer Anfängerfehler.

Verlustarm arbeiten

Gute Nachricht: Rechtwinkliges Drehen (90/180/270°) und Spiegeln kosten praktisch keine Qualität — die Pixel werden nur umsortiert, nicht neu berechnet. Der einzige Feind ist mehrfaches Neuspeichern als JPG (jede Runde komprimiert). Anders beim freien Drehen um kleine Winkel (etwa 3° zum Horizont-Geraderücken): Dabei wird das Bild neu berechnet und muss leicht beschnitten werden, damit keine leeren Ecken entstehen.

Zum verlustarmen Drehen und Spiegeln im Browser dient das Bild-drehen-Tool — es läuft lokal, das Bild verlässt den Rechner nicht.

Abgrenzung: das „dreht sich von selbst"-Problem

Nicht zu verwechseln mit dem Fall, dass ein Foto ungewollt gedreht erscheint — mal richtig, mal quer, je nach Programm. Das ist kein Dreh-Thema, sondern das EXIF-Orientation-Flag. Die Lösung dafür steht im eigenen Beitrag Foto dreht sich falsch.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Drehen und Spiegeln?

Drehen dreht das Bild um seinen Mittelpunkt (z. B. 90° nach rechts) — der Inhalt bleibt richtig herum. Spiegeln erzeugt ein seitenverkehrtes Abbild, als hielte man das Bild vor einen Spiegel. Nach dem Spiegeln steht Text spiegelverkehrt und die rechte Hand wird zur linken.

Warum ist mein Selfie spiegelverkehrt?

Viele Handy-Frontkameras zeigen und speichern das Bild gespiegelt, weil man es so aus dem Spiegel gewohnt ist. Dadurch steht Text im Hintergrund seitenverkehrt. Man kann das Foto zurückspiegeln, damit Schrift wieder lesbar ist — dann wirkt das eigene Gesicht aber für einen selbst 'falsch herum'.

Verliert ein Bild beim Drehen an Qualität?

Bei rechtwinkligen Drehungen (90/180/270 Grad) und beim Spiegeln praktisch nicht — die Pixel werden nur neu angeordnet. Kritisch ist nur mehrfaches Neuspeichern als JPG. Bei freien Winkeln (z. B. 5 Grad zum Geradeziehen) wird neu berechnet und leicht beschnitten.

Wann darf ich ein Bild nicht spiegeln?

Wenn es Text, Logos, Zahlen, Uhrzeiten, Kennzeichen oder eine eindeutige Ausrichtung enthält — die werden seitenverkehrt und damit falsch. Auch bei Personen kann Spiegeln irritieren (Muttermal auf der falschen Seite). Reine Landschaften oder symmetrische Motive verträgt es dagegen problemlos.

Quellen

MDN — rotate (Drehen) · MDN — scaleX (Spiegeln).