1985: ZSoft baut PC Paintbrush
Die Geschichte von PCX beginnt in Marietta, Georgia, mit einer kleinen Software- Firma namens ZSoft Corporation. ZSoft hatte 1984 ein Mal-Programm namens PC Paintbrush für IBM-PCs entwickelt — ein klares Klon von Apples MacPaint, aber für DOS-Maschinen mit CGA- und EGA-Grafikkarten. PC Paintbrush brauchte ein Datei-Format für gespeicherte Bilder; das Resultat war PCX, kurz für PC Paintbrush.
ZSofts Format war pragmatisch für die Hardware-Realität von 1985 designt. Damalige PCs hatten 256 KB bis 640 KB RAM, Festplatten-Speicher war teuer (eine 10-MB-Festplatte kostete 1500 US-Dollar), und Floppy-Disketten waren auf 360 KB beschränkt. PCX musste Bilder so kompakt wie möglich speichern und in unter 100 KB Speicher dekodieren können.
Die technische Architektur
PCX ist ein extrem einfaches Format. Eine PCX-Datei besteht aus:
- 128-Byte-Header. Hersteller-ID (immer 0x0A für ZSoft), Format- Version, Komprimierungs-Flag, Bit-Tiefe, Bild-Dimensionen, Auflösung in DPI, Color-Map für niedrige Bit-Tiefen, Bytes pro Zeile, Bild-Beschreibung-Plane-Count.
- Pixel-Daten in RLE-Komprimierung (Run-Length Encoding).
- Optional 256-Color-Palette am Datei-Ende (für PCX-Dateien mit 8-Bit-Indizierung).
Die RLE-Komprimierung ist primitiv aber effektiv. Jedes Byte wird bit-für-bit geprüft: beginnt es mit „11", dann gibt es die nächsten 6 Bits die Wiederholungs-Anzahl an und das folgende Byte den Pixel-Wert. Beginnt es mit etwas anderem, ist das Byte selbst ein Pixel-Wert. Bei Bildern mit vielen einfarbigen Flächen — typisch für die UI-Screenshots und Pixel-Art der Zeit — spart das deutlich Platz.
1986–1992: Der De-facto-Standard der PC-Welt
Mitte der 1980er Jahre war PC Paintbrush das dominante Mal-Programm der DOS-Welt. Microsoft hatte noch kein Windows; CorelDRAW war noch nicht erfunden; Photoshop war ein Studenten-Projekt. PC Paintbrush dominierte den PC-Pixel-Bereich. ZSoft lizenzierte das Programm an Microsoft, das es als Paintbrush in Windows 1.0 (1985) und später als Paint in jeder nachfolgenden Windows-Version integrierte.
PCX wurde dadurch der Standard-Bilder-Tausch-Format der frühen PC-Welt. Drucker-Treiber unterstützten PCX, Druck-Programme exportierten PCX, Drittsoftware wie Ventura Publisher und WordPerfect importierten PCX. Bis 1992 hatte praktisch jeder PC-Nutzer mindestens eine PCX-Datei auf seiner Festplatte.
1990: PCX 3.0 mit 24-Bit-Farbtiefe
Ursprünglich war PCX auf 1-Bit (monochrom) und 4-Bit (16 Farben) ausgelegt — passend zur CGA- und EGA-Hardware. Mit dem Aufkommen von VGA (1987, 256 Farben) erweiterte ZSoft das Format zu 8-Bit-indizierter Farbe. PCX 3.0 (1990) brachte dann auch 24-Bit- True-Color-Unterstützung, durch Speicherung der Pixel in drei separaten Plane-Layern (Red, Green, Blue).
Die Plane-basierte Architektur war ungewöhnlich. Statt Pixel als interleaved RGB- Triples zu speichern (R, G, B, R, G, B, …), speichert PCX die Zeilen plane-by-plane (alle Reds einer Zeile, alle Greens, alle Blues). Das war auf die Hardware-Architektur der EGA/VGA-Karten optimiert, machte aber Decoder komplexer als nötig.
1993: GIF und JPEG kommen
PCXs Niedergang begann mit dem Aufstieg von zwei moderneren Formaten. GIF (1987, siehe unsere GIF-Geschichte) hatte bessere LZW- Komprimierung und unterstützte Animation. JPEG (1992, siehe unsere JPEG-Geschichte) bot dramatisch kleinere Datei-Größen für Fotos. Bis Mitte der 1990er hatten beide Formate PCX in den meisten Web- und Foto-Workflows abgelöst.
ZSoft Corporation überlebte den Format-Wechsel nicht. Die Firma wurde 1991 von WordStar International übernommen und 1993 mit der Software-Suite Crayola Art Studio zusammengelegt. PC Paintbrush selbst lief noch bis Mitte der 1990er, wurde dann aber eingestellt — Microsoft Paint (das immer noch ZSoft's Code-Erbe trug) übernahm den Markt vollständig.
PCX in der DOS-Spiele-Welt
Eine Hochburg, in der PCX besonders lange überlebte: DOS-Spiele. Klassische Adventure- und RPG-Spiele wie Wing Commander (1990), Master of Orion (1993), Doom (1993), Heroes of Might and Magic(1995), Lands of Lore (1993) speicherten alle ihre Hintergrund-Bilder, UI-Sprites und Cutscene-Frames als PCX. Game-Engines hatten einfache PCX-Decoder eingebaut, die direkt aus den .DAT-Archive-Dateien dekodieren konnten.
Diese DOS-Spiele-Erbe sorgt dafür, dass PCX bis heute in Retro-Computing- und Pixel-Art-Communities präsent ist. Wer eine klassische DOS-Adventure-Engine wie DOSBox-X oder ScummVM nutzt, begegnet PCX regelmäßig. Eine moderne Indie-Spielszene (besonders im Bereich CGA/EGA-Aesthetics-Spiele) nutzt PCX zur Wahrung der Retro-Authentizität.
PCX 2026: Archiv-Status mit Liebhabern
In der täglichen Web- oder Foto-Arbeit ist PCX 2026 irrelevant. Browser können es nicht öffnen, kein modernes Tool exportiert es als Default. Adobe Photoshop hat den PCX-Import vor Jahren eingestellt (die letzte unterstützte Version war CS6 von 2012). GIMP unterstützt PCX noch über ein Plug-In; ImageMagick und FFmpeg lesen es ebenfalls.
Aber: Liebhaber-Communities pflegen PCX weiter. Pixel-Art-Sammlungenaus den 80er- und 90er-Jahren werden oft als PCX archiviert. DOS-Game- Modding-Tools wie ALICE, IDA und verschiedene Open-Source-Decoder unterstützen PCX nativ. Wer eine Pixel-Art-Renaissance mit Authenticity-Anspruch verfolgt, nutzt PCX als Asset-Format — ähnlich wie manche Vinyl-Liebhaber explizit Vinyl statt CD wählen.
Wann PCX die richtige Wahl ist
- Retro-DOS-Game-Modding. Wenn die Original-Engine PCX erwartet, ist es die Pflicht-Wahl.
- Pixel-Art-Archive aus den 80er-/90er-Jahren. Authenticity- erhaltende Speicherung.
- Embedded-Systeme mit Legacy-Software. Industrielle Bedien-Terminals und Kassen-Systeme nutzen manchmal PCX für eingebettete UI-Bitmaps.
Wann PCX nicht ideal ist: alles, was nicht spezifisch Retro-Computing ist. Für moderne Anwendungen (Web, Mobile, Foto) sind PNG, JPG, WebP und AVIF die richtigen Wahlen. PCX hat keinen technischen Vorteil mehr — seine Komprimierung ist schwach, seine Farbtiefe begrenzt, seine Decoder-Komplexität historisch bedingt.
Quellen
FileFormat.Info — ZSoft PCX · Wikipedia — PCX File Format · Internet Archive — PC Paintbrush 1.0 · DOSBox — Klassische DOS-Spiele mit PCX-Assets · ScummVM — Adventure-Engine mit PCX-Support · ImageMagick — PCX Format Support · ZSoft Corporation, „PCX Programmer's Reference Manual", 1991.