Die Ein-Satz-Antwort

JPG und JPEG sind exakt dasselbe Bildformat. Gleicher Codec, gleiche Komprimierung, gleiche Datei-Struktur, gleiche Bit-für-Bit-Ausgabe. Beide Schreibweisen lassen sich umbenennen, ohne dass eine einzige Information verloren geht. Der Unterschied ist rein historisch.

Woher die zwei Namen kommen

Der Codec selbst heißt JPEG — kurz für Joint Photographic Experts Group, das Gremium aus ISO und CCITT (heute ITU-T), das den Standard zwischen 1986 und 1992 entwickelt hat. Die finale Spezifikation wurde 1992 unter der Norm ISO/IEC 10918-1 veröffentlicht.

„JPEG" ist also der offizielle Format-Name. Warum schreiben dann viele Dateien .jpg? Schuld ist MS-DOS und das alte FAT-Dateisystem. FAT akzeptierte bis Windows 95 nur Dateinamen im 8.3-Format — maximal acht Zeichen für den Namen, drei für die Endung. Eine Endung .jpeg hätte vier Zeichen gehabt — eine zu viel. Also kürzte Microsoft auf .jpg.

Unix-Welten und später macOS hatten diese Einschränkung nie und nutzten weiterhin .jpeg. Linux-Bildbibliotheken (libjpeg) akzeptieren beide Endungen identisch. Adobe Photoshop wechselte irgendwann zu .jpg, weil 99% seiner Nutzer aus der Windows-Welt kamen.

Welche Schreibweise sollte man heute nutzen?

Funktional: egal. Jedes moderne Betriebssystem, jeder Browser, jeder Bild-Viewer und jedes CMS behandelt .jpg und .jpeg exakt gleich. Du kannst eine Datei foto.jpeg umbenennen zu foto.jpg, hochladen, zurück-umbenennen — null Datenverlust.

Ein paar Konventionen, die sich praktisch durchgesetzt haben:

  • .jpg — der De-facto-Standard. Smartphones, Kameras, Photoshop, alle großen Social-Media-Plattformen exportieren so. Wenn du nicht weißt, was du nehmen sollst: .jpg.
  • .jpeg — wird oft in akademischen oder formellen Kontexten verwendet, weil es dem offiziellen Standardnamen entspricht. Im Web-Alltag selten.
  • .jpe — eine sehr seltene dritte Variante, die früher in einigen DOS-Tools auftauchte. Praktisch ausgestorben.

📜 Historisches Detail: Die JPEG-Spezifikation enthält selbst gar keine Vorgabe für eine Datei-Endung. Das ist nur eine Konvention auf Betriebssystem-Ebene. Die JPEG-Datei wird intern an den ersten zwei Bytes erkannt: FF D8 (Start of Image Marker). Das ist der „Magic Number"-Fingerprint, den jedes Bildbearbeitungs-Programm prüft — die Endung ist nur eine Hilfe für Menschen und Datei-Explorer.

Was alle JPG/JPEG-Varianten gemeinsam haben

Unabhängig von der Endung gilt für jede JPEG-Datei:

  • Verlustbehaftete Komprimierung — das Format zerlegt das Bild in 8×8-Pixel-Blöcke, transformiert sie per DCT (Discrete Cosine Transform) in Frequenz-Koeffizienten und quantisiert die Hochfrequenz-Anteile weg, die das Auge schlecht wahrnimmt
  • 24-bit Farbtiefe — bis zu 16,7 Millionen Farben pro Pixel
  • Kein Alpha-Kanal — keine Transparenz, niemals (Mythos: einige Konverter speichern transparente Bilder als JPEG mit weißem Hintergrund)
  • EXIF-Metadaten möglich — Kameradaten, GPS, Timestamps, manchmal Vorschau-Thumbnails
  • Progressive vs. Baseline — Baseline rendert Zeile für Zeile, Progressive in mehreren Schärfe-Stufen (auf langsamen Verbindungen sieht der Nutzer das Bild früher in grober Form)

Häufige Mythen rund um JPG/JPEG

Mythos 1: „JPEG ist die Original-Datei, JPG ist die komprimierte Version." Nein. Beide sind identisch.

Mythos 2: „JPG hat schlechtere Qualität als JPEG." Nein. Die Qualität wird durch den Qualitäts-Wert beim Encodieren bestimmt (typisch 0–100), nicht durch die Endung.

Mythos 3: „JPEG unterstützt Transparenz, JPG nicht." Beides falsch — JPEG (egal welche Endung) hat nie Transparenz unterstützt. Wer Transparenz braucht, nutzt PNG, WebP oder AVIF.

Mythos 4: „Apple speichert immer als JPEG, Windows als JPG." Veraltet. iOS exportiert seit 2017 standardmäßig .HEIC, Windows seit 11 ebenfalls breit JPG. Beide Welten akzeptieren beide Endungen.

Was tun, wenn die Endung Probleme macht?

Einige veraltete Software erkennt nur eine der beiden Endungen — typische Verdächtige sind alte E-Mail-Clients, frühe CMS-Installationen, Industrie-Software aus den 2000er-Jahren. Wenn ein System eine .jpeg-Datei ablehnt, einfach umbenennen zu .jpg:

  • macOS — Datei selektieren, Enter drücken, Endung ändern, bestätigen
  • Windows — Rechtsklick → Umbenennen, Endung ändern (falls Endung nicht sichtbar: Ordner-Optionen → „Dateinamenerweiterungen ausblenden" deaktivieren)
  • Batch — auf der Kommandozeile: for f in *.jpeg; do mv "$f" "${f%.jpeg}.jpg"; done

Das Umbenennen ändert nichts an der Datei — keine Re-Komprimierung, kein Qualitätsverlust. Es ist nur ein neuer Name für dieselbe Bit-Sequenz.

Verwandte Formate, die gerne verwechselt werden

  • JPEG 2000 (.jp2, .j2k) — Nachfolger-Spezifikation aus dem Jahr 2000. Wavelet-basiert statt DCT, theoretisch besser, aber durch Patente und mangelnde Browser-Unterstützung praktisch nie im Web angekommen.
  • JPEG XR (.jxr) — Microsoft-Variante aus 2009. Nur in Internet Explorer und einigen Druck-Workflows verbreitet.
  • JPEG XL (.jxl) — modernste Variante (2021), royalty-free, deutlich effizienter als klassisches JPEG. Chrome hat den Support 2022 wieder entfernt; Safari und Firefox unterstützen ihn experimentell.

Diese drei Formate sind nicht dasselbe wie JPG/JPEG. Sie nutzen andere Codecs und sind nicht abwärtskompatibel.

Fazit

JPG und JPEG sind identisch. Die unterschiedlichen Endungen sind ein DOS-Erbe aus den 1980ern und haben keinerlei Auswirkung auf Inhalt, Qualität oder Kompatibilität. Wer modernen Webcontent baut, nimmt .jpg, weil es überall funktioniert — und denkt nicht mehr darüber nach. Wer noch effizienter komprimieren will, lohnt sich der Blick auf WebP oder AVIF.