Der Ordner, den jeder Gestalter kennt

„Wir schicken dir mal die Bilder." Dieser Satz hat mich in elf Jahren als Gestalter mehr Nerven gekostet als jedes Briefing. Was dann kommt, ist selten das, was die Website braucht: ein ZIP mit 300 Handyfotos, das Logo als Screenshot aus einer PDF, drei Varianten desselben Bildes in unterschiedlicher Qualität und ein 40-MB-„Katalog" als einzelne JPGs. Der Rohstoff für die schöne neue Seite ist erst einmal ein Haufen.

Die immer gleichen Probleme

  • Riesige Handyfotos. 8–12 MP, 5–8 MB pro Bild, direkt aus der Kamera-App. Sieht gut aus, ist fürs Web völlig überdimensioniert.
  • Das verpixelte Logo. Kein Vektor, sondern ein 200-Pixel-JPG, oft aus einer alten Präsentation kopiert — mit weißem Kasten drumherum.
  • Falscher Farbraum. Bilder aus dem Print-Workflow kommen in CMYK oder Adobe RGB und wirken im Browser plötzlich flau. Warum, steht unter sRGB, Adobe RGB & P3.
  • Screenshots als Inhalt. Text als Bild, oft schief, mit Kompressions- artefakten — unlesbar auf Retina, eine Katastrophe für Barrierefreiheit und SEO.

Warum „schick uns die Bilder" nicht reicht

Der Fehler liegt selten beim Kunden. Niemand außerhalb der Gestaltung muss wissen, was dpi bedeuten, warum ein Logo ein Vektor sein sollte oder dass 300 Handyfotos zusammen ein halbes Gigabyte wiegen. Genau deshalb ist die Aufbereitung meine Aufgabe — und je klarer ich sie strukturiere, desto weniger Schleifen kostet ein Projekt.

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Mein Intake-Workflow

Ich behandle jede Bildlieferung nach demselben Ablauf, statt Datei für Datei zu improvisieren:

  1. Sichten & sortieren. Erst trenne ich Brauchbares von Ballast. Doppelte, unscharfe, irrelevante Bilder fliegen sofort raus — das spart später überall.
  2. Technik prüfen. Ein kurzer Blick auf Dimension, Format und Dateigröße zeigt, was Substanz hat. Dafür ziehe ich verdächtige Dateien durch das Bild-Info-Tool — lokal, ohne Upload, was bei fremdem Material auch eine Datenschutzfrage ist.
  3. Auf Zielgröße bringen. Jedes Bild wird auf die Größe skaliert, in der es tatsächlich erscheint — der mit Abstand größte Hebel gegen langsame Ladezeiten.
  4. Format & Kompression. Fotos nach WebP/AVIF über den Konverter, dann komprimieren mit Augenmaß.

Kein Kundenmaterial macht so oft Ärger wie das Logo. Kommt es nur als kleines Pixelbild, hilft kein Hochskalieren — dann muss es als Vektor neu aufgebaut oder beim Kunden das Original (AI, EPS, SVG) angefragt werden. Für die Website gehört ein Logo praktisch immer als SVG eingebunden: scharf auf jedem Display, winzig in der Dateigröße. Warum, und wann PNG die bessere Wahl ist, steht unter SVG vs. PNG vs. JPG für Icons.

Was ich dem Kunden mitgebe

Der beste Trick gegen den Chaos-Ordner ist, ihm zuvorzukommen. Ich gebe Kunden heute eine kurze, unkomplizierte Anleitung an die Hand: Fotos gern groß und im Original schicken (lieber zu viel Auflösung als zu wenig), das Logo bitte als Vektordatei, und Text niemals als Screenshot. Diese drei Sätze ersparen beiden Seiten die halbe Nacharbeit — und den Rest erledige ich in der Aufbereitung, in Minuten statt Stunden.

Gute Kundenbilder sind selten ein Glücksfall. Sie sind das Ergebnis eines klaren Prozesses — und der beginnt nicht beim Kunden, sondern bei der Frage, wie sauber man den Rohstoff annimmt.

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Quellen

web.dev — Serve images in modern formats · MDN — Image file type and format guide · W3C WAI — Images Tutorial.